Durch König Ortlers Ländereien

Durch König Ortlers Ländereien

Ortler Umrundung, 07. – 14.Juli 2018

7.Juli 2018 – Los geht’s mit der  # OrtlerRunde2018

Unsere Tour startet sehr bequem. Nach der Anreise nach Sulden geht es die 710 hm zur Schaubachhütte mit der Seilbahn hinauf. Wie bestellt hat sich auch das Regenwetter wieder verzogen und die Sonne taucht die alpine Szenerie zwischen Königsspitze und Cevedale in ein warmes Abendlicht. Wir wandern vor dem Abendessen noch hinauf zur Madritschhütte. Ein bisschen Akklimatisation kann nicht schaden immerhin wartet morgen das Madritschjoch mit 3.123m. und im Anschluß gleich die längste Etappe unserer Tour. Wir sind gespannt.

Früher Start von der Schaubachhütte

8. Juli 2018 – Etappe 1

85,2 km, 2416 hm rauf (davon 830 hm Lift); 3860 hm runter

Der Tag wird wie erwartet lange.
Erst geht es mit etwas Sauerstoffdefizit vor der Traumkulisse von Königsspitze, Zebru und Ortler von der Schaubachhütte auf das windig kalte Madritschjoch (3.125m), dann auf einem super Trail hinunter zur Zufallhütte. Das Martelltal hinaus werden wie im Flug Höhenmeter vernichtet, bevor wir uns am Radweg ein Windschattenwechselführungsrennen den Vinschgau hinunter nach Rabland liefern. Mit dem Gegenwind ist das fast so anstrengend wie bergauf… Mit der Bahn geht es wieder hinauf nach Aschbach und dann sind es nochmals 700 hm über das Vigilljoch hinauf zum Rauhen Bühel. Auf einem Waldtrail geht’s hinunter zur Stafleralm, nach einer steilen Abschiebepassage hinunter bis zu Forststrasse. Es folgen noch fordernde Kilometer den Hang entlang mit etlichen nervigen Gegenanstiegen hinunter nach St. Walburg. Ziemlich platt fallen wir am Abend beim Eggwirt ein und freuen und auf das Abendessen und das Bett danach

9.Juli 2018 – Etappe 2
33,0 km, 1410 hm rauf ; 1160 hm runter

Heute steht als “Erholungsetappe” der Klassiker über das Rabbijoch am Programm.
Ganz so erholsam sollte es dann doch nicht werden.
Begonnen hat der Tag mit einem Besuch in der Werkstatt. Zum Glück war der blockierte Freilauf bei Hans dann doch nur ein verklemmtes Stück der gebrochenen Speiche von gestern.
Und der „Mechaniker“ im Geschäft hat wieder etwas zum Thema Radservice dazugelernt ;-)
Das Ultental hinein rollt es noch gut, dann wird Richtung Rabbijoch abgebogen. Erst ist der Weg noch gut fahrbar, aber ab dem Kirchberg Kaser auch zum Schieben sehr steil. Letztlich erreichen wir doch den Passübergang.
Hans ist noch gut im Training und legt ein Stück des Weges laufend nochmals zurück – Objektivdeckel liegen lassen.
Nach der Einkehr auf der Haselgruber Hütte folgt ein Traum Trail ins Tal.
Bei einer Malga legen wir noch einen Zwischenstopp ein, bevor es hinunter nach Rabbi geht. Weil wir heute keine Gastronomie in vernünftiger Reichweite haben, gibt es einen Einkauf im örtlichen “Supermarkt”. Schließlich klingt der Tag bei Rotwein, Speck und Käse gemütlich auf der Terrasse unserer wirklich tollen Unterkunft in einem neu ausgebauten Bergbauernhof aus.
Und auf der Jagd waren wir auch noch – das tapferere Schneiderlein würde vor Neid erblassen.

10.Juli 21018 – Etappe 3
41,2 km, 2320 hm rauf ; (davon 900 hm Shuttle), 1820 hm runter

Mit einem super Frühstück im Bauch geht es gleich mit einer Steilrampe ins Val Cercen los. Es folgen einige Kilometer mit erträglicher Steigung, ehe es energietechnisch wieder sinnlos wird, sich mit durchtreten zu versuchen.
Schieben und Tragen gehört auf Alpendurchquerungen eben zum Standardprogramm.
Nach der Malga Cercen Alta warten noch 500hm alpiner Wanderweg hinauf auf den Passo Cercen. Der hat sich heute immer wieder in den Wolken versteckt, auch unsere Abfahrt beginnt gespenstisch.
Der Trail ist landschaftlich sehr schön, aber mit dem vielen losen Schotter zeitweise auch anspruchsvoll.
Höhenmeter vernichten nach Fucine, von wo wir auf den Passo Tonale shutteln. Die zusätzlichen 1000 hm auf der vielbefahrenen Strasse wollten wir uns dann doch nicht mehr geben.
Dafür aber ein Finale im Whirlpool unseres Hotels.

  1. Juli 2018 – Etappe 4
    44,7 km, 2540 hm rauf
    ; (davon 1020 hm Shuttle), 1710 hm runter

Nachdem es zum Frühstuck noch regnet, klart es schnell auf und wir haben auf dem Weg Richtung Cima Bleis ein Bilderbuchwetter. Der Trail hinunter nach Pezzo verdient das Prädikat “Vom Allerfeinsten”. Auch unsere Mädels sind hellauf begeistert und würden für diesen Genuss die Räder gleich noch einmal hinaufwuchten.
Unsere Reise führt uns aber weiter über den Passo Gavia.
Die 1.000 hm auf der steilen, schmalen und von vielen Motorrädern frequentierten Strasse bringen wir bequem im Bike-Shuttle hinter uns.
Gleich nach der Passhöhe biegen wir ab auf den Romantica- Trail, der uns auf mehr als 12 km entlang der Hänge von Punta San Matteo und Pizzo Tresero hinein ins Val Forni führt. Anders als am Vormittag ist es hier technisch schwierig, verblockt und teilweise ziemlich ausgesetzt.
Die Bachübergänge unter tosenden Wasserfällen sind auch spannend. Kleinere technische Probleme bremsen – meine MTB-Schuhe sind wohl mehr für Bike als für Mountain gemacht. Kabelbinder hilft.
Schließlich sind wir froh, wieder auf einer “normalen” Straße fahren zu können und kurbeln die letzten 700 hm hinauf zur Pizzini Hütte – umrahmt von Königsspitze, Cevedale und den Bergen des Forni Kessels.
Das Abendessen mit 3 Nachschlägen ist mehr als verdient.

  1. Juli 2018 – Etappe 5
    35,5 km, 1320 hm rauf ; 2050 hm runter

Heute umgekehrtes Spiel. Ist es in der Früh noch schön, zieht es auf unserem Weg zum Passo Zebru immer mehr zu. Es sind von der Hütte aus zwar nur 300 hm, der Schlussanstieg hat es aber in sich.
Und dass wir wieder über die 3.000-er Marke hinauskommen, macht sich auch bemerkbar.
Auch hier sind die Reste des Ersten Weltkrieges noch immer allgegenwärtig.
Der Trail ins Val Zebru zählt zwar zu den Klassikern im alpinen Biken, für uns heute aber zu der Sorte “kann man machen, muss aber nicht unbedingt sein”.
Steil, schmal, ausrutschen verboten – und auf den Strecken, die gut man fahren könnte, ist mittlerweile so viel loser Schotter in der Spur, dass dabei auch keine rechte Freude aufkommt.
Die Schotterstrasse aus dem Tal hinaus und die Singletrail- Querung oberhalb von Bormio stimmen aber versöhnlich.
Mittagspause am Kirchplatz in Bormio, dann nehmen wir die “Wendeltreppe” hinauf zu den Torre di Fraele in Angriff. Heiß brennt die Sonne auf den Asphalt, aber die Steigung ist angenehm und die Italiener sind einfach Meister im Straßenbau.
Quartier beziehen wir direkt an der Staumauer des Lago Cancano und zum exzellenten Abendessen fällt draussen heftiger Regen ein.

13.Juli 2018 – Etappe 6
21,3 km, 1371 hm rauf ; 565 hm runter

Der Tag begrüßt uns mit strahlend blauem Himmel. Über die Staumauer des Lago Cancano geht es ins Valle Forcola, aus dem wir uns auf einer genial in den steilen Hang hinein gebauten, alten Militärstrasse zur Bochetta Pedenolo hochschrauben. Die Steigung ist ein echter Genuss und lässt Zeit, das überwältigende Panorama zu bewundern. Piz Bernina und Bianco Grat leuchten am Horizont. Die Murmeltiere lassen sich in ihrem Treiben nicht stören, man muss fast aufpassen, keines zu überfahren. Auf der Bochetta di Forcola mit ihren Stellungsruinen aus dem 1. Weltkrieg eröffnet sich ein gigantisches Panorama. Majestätisch beherrschend prägt das Ortler- Massiv die Landschaft. Stören tun hier nur die hässlichen Bauten am Stilfserjoch. Aber bevor wir dort hin kommen, wartet noch ein Traum- Trail unterhalb von Punta di Rims und Piz Umbrail auf uns.
Am Umbrail- Pass reihen wir uns in die Verkehrskolonne hinauf zum Stilfserjoch ein und nach 10 Tornanti ist auch dieses Stück geschafft.
Wir lassen es uns am Joch gut gehen und freuen uns schon auf den morgigen Abschluss unserer Tour.

14.Juli 2018 – Etappe 7
28,2 km, 420 hm rauf ; 2270 hm runter

Großes Finale der Tour – Goldseetrail.
Zeitig brechen wir auf, um im erlaubten Zeitfenster durch den Teil bis zur Furkelhütte zu kommen. Durch die Stellungen aus dem 1.Weltkrieg führt der Weg leicht fallend den gesamten Hang entlang. Immer im Blickfeld: das gewaltige Ortler Massiv mit seinen Eisbrüchen. Einige verblockte Passagen und Schneefelder bremsen den Fluss etwas. Zum Schluss noch etwas steiler mit Kehren und Stufen, dann wird auch schon bei der Furkelhütte eingekehrt. Weiter geht es auf einem flowigen Trail zur Stilfser Alm, wo Kaffee und Kuchen angesagt sind. Die Wolken schauen mittlerweile ziemlich bedrohlich aus, so dass es uns leicht fällt, auf die geplante Route weiter zur Glurnser Alm zu verzichten. Außerdem macht sich nach 6 Tagen am Rad auch schon Müdigkeit in den Beinen, aber auch im Kopf bemerkbar. Trails fahren heißt halt auch immer konzentriert bleiben und die Körperspannung nicht verlieren, sonst geht’s ins Gemüse.
Über den 11-er Weg (sehr zu empfehlen) geht es hinunter in die Lichtenberger Scharte und über Stilfs hinaus nach Prad.
Die Mädels und ich schlemmen in der Eisdiele während Hans mit dem Bus nach Sulden fährt, um das Auto zu holen.
Mit einer ausgezeichneten Pizza wird diese Tour auch kulinarisch abgeschlossen.

Fazit :
7 wunderschöne, aber auch fordernde Tage in einem der schönsten Gebirgsmassive der Alpen. Keine nennenswerten Blessuren oder Pannen, dafür eindrucksvolle Erlebnisse und viel Spaß in einer Gemeinschaft, die gut miteinander kann, auch dann, wenn es manchmal an ‘s Eingemachte geht.
Danke Hans für die Planung und Elisabeth fürs Quartier besorgen.
Wir freuen uns schon auf unsere nächste Unternehmung.