Mountainbiken in Menorca: Sonne, Meer und flowige Trails

Mountainbiken in Menorca: Sonne, Meer und flowige Trails

Text und Fotos: ©Brigitte Lindbichler

Wer in seinem Urlaub keinesfalls auf Sonne, Meer und Mountainbike verzichten will ist in Menorca genau richtig. Die kleine Baleareninsel ist nicht gerade ein Hot Spot in der Szene doch auf alle Fälle ein Geheimtipp. Flache Abschnitte gibt es nur wenige, stattdessen lässt sich die Insel in einem beeindruckendem Auf und Ab am sogenannten Cami de Cavalls umrunden. Über 200 Strände mit wunderschönen Badebuchten werden dabei passiert.

Der GR -223 Cami de Cavalls –katalanisch „Weg für Pferde“ – ist ein 198 km langer Naturtrail entlang der Küste und verbindet die Leuchttürme der Insel miteinander. Sein geschichtlicher Ursprung geht zurück ins 17. Jahrhundert, wo der Pfad für militärische Zwecke genutzt wurde um das Festland vor Piraten zu schützen. Später wurde der Weg großteils privatisiert und erst ab den 80er Jahren durch den Einsatz der Menorciner Schritt für Schritt ausgebaut und 2010 wieder öffentlich zugänglich gemacht. Der Trail wurde durchgehend mit Wegstempeln und Nummerierungen markiert was die Orientierung und Wegfindung vereinfacht. In den letzten Jahren gewann der Cami de Cavalls zunehmend an Bekanntheitsgrad für Wanderer, Trailrunner und Mountainbiker.

Joan Febrer Torres hat sich mit seinem Teamals Reiseveranstalter namens Cami de Cavalls 360° (www.camidecavalls360.com) auf die Organisation und Betreuung der Mountainbiker sowohl im Vorfeld als auch vor Ort spezialisiert und erspart dadurch viele Stunden der Planung. Neben dem Verleih von top ausgestatteten 29er MTB Fullys durch den Anbieter Tot Velo (www.totvelo.com), wird die Buchung der Unterkünfte und ein Shuttletransport für Gepäck angeboten, was auf jeden Fall empfehlenswert ist. Komplett individuelle Ausarbeitungen nach persönlichen Vorlieben oder Fitnesszustand sind problemlos möglich. Je nachdem in wie vielen Etappen und in was für Unterkünften übernachtet wird, unterscheiden sich logischerweise die Kosten. Wer nicht unnötig viel Zeit jeden Tag verlieren möchte entscheidet sich am besten für eine Unterkunft mit Frühstück. Am Ankunftstag wird in einem Meet and Greet das Bike, Trailbook, GPS Track und Reparaturmaterial ausgegeben, die einzelnen Etappenabschnitte, sowie Alternativrouten erklärt, Do´s and Dont´s sowie Sightseeingmöglichkeiten besprochen, bevor am nächsten Tag das Abenteuer Cami de Cavalls beginnt. Während der gesamten Tour wird ein zuvorkommender Whats App Kontakt vom Organisator angeboten um Notsituationen vorzubeugen und um einen komplikationslosen Ablauf zu gewährleisten.

Knapp 3.000 Höhenmeter sind bei der Umrundung zu bewältigen. Wer glaubt, dies ließe sich auf die Schnelle erledigen, der irrt. Der selektive Untergrund von Schotter zu Sand, scharfkantigen Klippen zu verblockten Steinpassagen verlangt der Wade alles ab.  Dementsprechend gleicht das Höhenprofil mancher Etappe einem Herzstillstand auf dem Überwachungsmonitor. Nebenbei lassen sich einige
Erhebungen nur mit tragendem Rad erobern und die unzähligen hölzernen Tiergatter zerren etwas an den Nerven. Der Cami de Cavalls schenkt einem Nichts. Doch die Strapazen werden mit großartigen Einblicken, Ausblicken, Anblicken belohnt!

Eckdaten zu den einzelnen Etappen:

  1. Etappe: Mahon – Arenal d´en Castel: 35 km, 750 hm
  2. Etappe: Arenal d´en Castel – Ferreries: 34 km, 500 hm
  3. Etappe: Ferreries – Cituadella: 37 km, 550 hm
  4. Etappe: Cituadella – Sant Tomàs: 42 km, 500 hm
  5. Etappe: Sant Tomàs – Mahon: 50 km, 600 hm

Mountainbiken auf Menorca ist zweifellos der beste Weg, um den großen natürlichen und kulturellen Reichtum der Insel zu entdecken.

Nördlich von Mahon passiert man das Natur- und Vogelschutzgebiet „S´Albufera des Grau“. Vorbei an Lagunen und Seen lassen sich Graureiher, Stelzen und Schildkröten beobachten. Im Sommer nisten hier bis zu 2.000 Vogelarten. Es ist das Kerngebiet des Unesco Biospärenreservats Menorca. Die Nordküste ist geprägt von dunklem Gestein, beeindruckender Steilküste mit tosender Brandung und demböigen Tramuntana, der die Anstrengung deutlich erhöht. Neben herausfordernden Anstiegen sind auch die Abfahrten im Norden technisch sehr anspruchsvoll.

Die Wasserreserven sind generell und gerade im Norden gut einzuteilen. Nur in den besiedelten Gebieten ist ein Auffüllen möglich, dazwischen liegen oft kilometerlange, naturbelassene einsame Trails ohne jegliche Einkehrmöglichkeit.

Cituadella, die zweitgrößte und schönste Stadt Menorcas liegt an der Westküste und sollte unbedingt als Etappenziel gewählt werden. Die kleinen mittelalterlichen Gassen der historischen Altstadt laden zum Schlendern und Verweilen ein und auch kulturell ist Cituadella ein kleines Gesamtkunstwerk. Ein Sonnenuntergang im Naturhafen bleibt ein unvergessliches Erlebnis, genauso wie die köstliche Paella in einem der zahlreichen Restaurants am Meer.

Und immer wenn wir denken „besser geht es nicht“ überrascht uns der Cami de Cavalls aufs Neue!

Je weiter man in den Süden fährt, desto türkisgrüner wird das Wasser und umso weißer der Sandstrand. Die Küste besteht aus Kalk- und Sandsteinfelsen von hellerer Farbe als im Norden und erscheint flacher und einheitlicher. Die Trails bleiben dennoch anspruchsvoll und werden immer wieder von tiefen Schluchten durchzogen. Schiebe- und Tragepassagen gehören auch hier zur Tagesordnung.

Cala Galdana, Sant Tomas und Cala en Porter sind die beliebtesten Urlaubsorte im Süden. Sie liegen direkt am Meer und trumpfen mit wunderschönen Buchten, Restaurants und Bars die zum abkühlen und pausieren einladen. Besonders der Naturstrand Cala Macarella, mit puderfeinem Sand und glasklarem azurblauen Wasser ist ein Fotomotiv der Extraklasse.

Kurz vorm Zieleinlauf in die Hauptstadt Mahon sollte ein Abstecher nach Binibèquer Vell unternommen werden. Enge Gassen, Bögen und verwinkelte Häuser in einer urigen Architektur ganz aus weiß geben einem das Gefühl in einem Labyrinth zu sein.

Die letzten 14 km entlang der Küste nehmen ein flowiges Ende, fast als ein versöhnliches Geschenk. Der Torre d´en Penjat ist der letzte Leuchtturm der Biketour bevor die Hafenstraße durch En Castell zurückführt nach Mahon.

Fazit: Wer eine Herausforderung sucht, Spaß am Treten hat und mit einer unfassbar schönen Landschaft belohnt werden will, für den ist der Cami de Cavalls genau richtig. Tatsächlich gibt es nach fast jeder Kuppe einen neuen Ausblick, der atemberaubend ist. Jeder Teil der Insel hat seinen eigenen Charakter, sodass man glauben könnte in unterschiedlichen Ländern zu sein. Infos unter www.camidecavalls360.com

Links:

Hotel La Isla, Mahon, http://www.hostal-laisla.comhostal.laisla@hotmail.com

Hotel Isla Paraiso,, Arenal d´en Castell, https://www.sethotels.com/islaparaiso@sethotels.com

Loar Aparthotel, Ferreries, https://www.loarferreries.cominfo@loarferreries.com

Hostal Cituadella, https://www.sagitariohotels.comhostalciutadella@sagitariohotels.com

Hamilton Court, Sant Tomas, https://www.hamiltoncourt.commossa@mossa.es

Bike Verleih, Tot Velo, Ciutadella, http://www.totvelo.comtotvelo@gmail.com